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theater_im_dialog

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Gedanken zum Theater im Dialog haben sich in der Folge von Bert Brecht und Erwin Piscator viele gemacht, und je mutiger die Ausbrüche aus dem Literatur-Theater gelangen, desto schneller wurden sie auch wieder abgelehnt:

"Nackte Körper, Folter, Schweinedärme, Blut und Provokation auf Rebers Bühnen in den 80ern.

Wir wollten diese Deutschlandbezogenheit aus dem Theater rauskriegen. Weil wir Deutschen denken ja immer, wir sind die Kultur. Und realisieren nicht, dass wir nur ein ganz winziger Ausschnitt von Kultur sind. Anstatt also ins Land zu kommen und nur Vorträge zu halten, sollten Kulturschaffende über längere Zeit bleiben und wirklich Ideen und Ausdrucksformen mit der Bevölkerung und den heimischen Kollegen austauschen. Austauschen kann viel mehr bewirken als nur lehren.“ (Roland Reber) – Theater als Dialog."

https://www.wtpfilm.com/2022/09/der-narr-stirbt-in-einer-traenenreichen-nacht/

Wahrheit und Wissenschaft gehen nur im Dialog

Reden über Wahrheit und Wahrheiten, kann aber nicht den Schritt zum Dialog, bleibt bei Schuldigen und Verantwortlichen, wie im Postfaschismus der 1950er und 1960er Jahre: "Der Führer wars, wir mussten ja gehorchen!"

"Hört auf die Wissenschaftler" - ja, aber welche? Und wenn sie nicht auf den gleichen Grundlagen argumentieren?

Dialogische Intelligenz

Pioneers of Change, Hartkemeyer - Sternstunden Dialogischer Intelligenz

Therapie und Weltbezug und die GestaltArbeit in Gruppen

eine comedy der politischen bildung und Theater im Dialog

Fritz Letsch in Helmut Wiegand (Hg):

Theater im Dialog: heiter, aufmüpfig und demokratisch

Deutsche und europäische Anwendungen des Theaters der Unterdrückten

Theater der Unterdrückten und die Gestalt-Therapie

Die Menge der Schnittstellen ist viel zu groß, um dieses Thema erschöpfend zu skizzieren, doch möchte ich vor allem für jene, denen die Grundlinien der Gestalttherapie nicht bekannt sind, eine knappe Einführung zusammenstellen, umgekehrt könnte für Gestalt-Arbeitende eine Anregung zur Auseinandersetzung mit den Forum-Theater-Methoden daraus erwachsen, und vielleicht wird manchen deutlich, dass bereits Gestalt- Prinzipien in Ihre Arbeitsstile eingeflossen sind.

1. Dialog geht nicht von oben nach unten

1.1. seit den siebziger Jahren ...

Theater lebt in der klassischen Form von der Trennung in Bühne als magischen Raum und Publikum. Was oberhalb der Rampe passiert, ist vorbereitet, heiliges Ritual, dramatischer Bogen, darf nicht gestört werden. Das von oben Kommende ist heilig, das Publikum unten darf klatschen.

Bert Brecht versuchte, die emanzipatorischen Impulse seiner Zeit aufzugreifen und suchte nach Wegen, von dieser klassischen Form zu neuen, dialogischen Formen zu kommen.

Bekannt wurde vor allem das Verfremden, nicht gläubige Inszenierungen auf die Bühne zu bringen, sondern brüchige, in der Struktur und Machart durchsichtige Stücke, die zur Auseinandersetzung anregen sollten.

Jahre später führten andere seine Versuche fort: Die fast schon verzweifelt wirkenden Kontaktversuche des action-theater bei FASSBINDER und seiner Gruppe, die vor allem in Handke's Publikumsbeschimpfung das Publikum in den Stücken zu Reaktionen bringen sollten, achteten in ihrem jugendlichen Sendungsbewusstsein nicht so sehr auf das Macht-Gefälle, das über die Rampe kommt: Wer oben steht, hat Vorteile … im Spiel der Macht.

1.2. in meiner Geschichte:

Entsprechend lernte ich selbst in der Schauspielschule Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre noch die Rollen in autoritär geprägter Kunstform.

Groß war dann meine Überraschung, als AUGUSTO BOAL in einer Aufführung in der münchner Alabamahalle die Übungen, wie wir sie aus dem Gruppentraining kannten, auch zum Aufwärmen mit dem Publikum machte und Szenen vorstellte, die wir verändern sollten, indem wir dazu auf die Bühne kommen und die Rolle der unterdrückten Person anders zu Ende spielen sollten.

Das machten auch einige, und es war ein spannender Abend, nach dem sich viele für den nächsten Wochenend-Workshop eintrugen. Damit begann dann auch meine Lehrzeit mit dem Theater der Unterdrückten, die über einige Jahre vor allem am Theaterhaus Berlin weiterging.

Parallel lernte ich in der politischen Arbeit in der Friedensbewegung auch die GestaltTherapie und das GestaltLeben als Grundhaltung im Hier und Jetzt kennen, die Freire-Pädagogik war mir schon aus der Dritte-Welt-Bewegung im Studium vertraut geworden, im Arbeitskreis Bewusstseinsbildung der AG SPAK lernte ich dann die genaueren Prinzipien dieses emanzipatorischen Ansatzes, der die Lernenden in ihrem forschenden Bewusstseins-Prozess begleitet, nicht mit "Stoff" und "Wahrheiten" entmündigt.

2. Verschiedene Wurzeln -

Gemeinsames Menschenbild Im Umfeld sind auch noch andere Methoden inspirierend: Das Arme Theater des Jerzy Grotowski entkleidet das in den Requisiten und Soffiten verstaubte Ritual und holt es in den puren körperlichen Ausdruck zurück. Das Living Theater zieht mit experimentellen Projekten (wie noch einige andere Theater) durch die Welt und bringt politische Themen auf die Bühnen.

2.1. Aufbruchs-Bewegungen

nehmen Gestalt und Forum-Theater auf

Die zeitliche Entwicklung der beiden Arbeitsweisen liegt parallel in den sechziger bis achtziger Jahren, und die Verwandtschaften liegen nicht nur bei den beiden Gründervätern: Fritz Perls hatte im Max-Reinhardt-Seminar das Theater kennengelernt, Augusto Boal war über die Jahre immer mit den Fragen nach den Unterschieden zum Psychodrama konfrontiert.

Im Kampf gegen die anachronistischen Militärdiktaturen, die zum großen Teil durch die CIA in den lateinamerikanischen Ländern "inszeniert" wurden, setzten die Gruppen mit großem Lerneifer alle Methoden ein, die ihnen aus der "freien Welt" als hilfreich und politisch aufgeschlossen unterkamen.

Alle, die nach Methoden suchten, die nicht durch enge linke und gewalt-orientierte Agitation eingeschränkt waren, tauschten in dieser Zeit international Ideen und Arbeitsweisen aus: Befreiungstheologie und Entwicklungshilfe er-gänzten sich zu neuen Methoden der Erwachsenenbildung.

3. Das Wort Gestalt

ist in der englischen Sprache ein Fremdwort, es wird im deutschen Sprachraum leider oft mit Gestaltung assoziiert. Offene Gestalt meint aber ein Geschehen, das noch nicht abgeschlossen ist: Wenn ich durch ein Geschehen wie z.B. einen Unfall auf herannahende Autos erschreckt reagiere, habe ich diesen Unfall noch nicht wirklich verarbeitet, ist das Thema offen.

Kann ich mich nach einiger Zeit und Gewöhnung wieder bedenkenlos im Strassen-verkehr bewegen, habe ich die Gestalt wieder geschlossen. Bin ich nicht be-reit, mich wieder auf Strassenverkehr einzulassen, brauche ich Begleitung oder bleibe ich in meiner Traumatisierung gefangen. Der Begriff entstammt der Gestalt-Psychologie der 20er Jahre.

3.1. erste Gestalt-Arbeiten in den USA und Kanada in den 1960ern:

Mit den Trainings in gewaltfreier Aktion der Anti-Atom- und der Friedensbewegung kamen in den siebziger Jahren über einige nordamerikanische Trainer auch die Ansätze der Gestalttherapie im sozialen Gruppenlernen nach Deutschland, die dann mit unseren Seminaren Einzug in den Gruppen der alternativen Szene hielten.

Grundlage ist dafür wiederum das dialogische Prinzip und der Kontakt, die Laura und Fritz Perls und Paul Goodman auf der Grundlage von Martin Buber's "Ich und Du" und seinem existentialistischen Ansatz in die psychotherapeutische Arbeit einbrachten.

Weiter lesen in:

ibidem-Verlag http://ibidem.eu

Bewusstseinsbildung würde heute „Kritische Praxis“ heißen, in Odierna/Woll (Hg): Visionen der Veränderung, Forumtheater nach Augusto Boal. Theorie, Entwicklungen, aktuelle Positionen und Perspektiven https://www.agspak-buecher.de/epages/15458842.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/15458842/Products/M357

2. Video-Arbeiten

Theater – Erziehung – Polizisten - Politik: Eine Probe auf die Wirklichkeit entwicklungsdienst theater-methoden München - Nürnberg – Bielefeld – Utrecht (Hermann Ehrlich)

Videofilm: "Theater, wie im richtigen Leben!" interkulturelles schul - theaterprojekt "miteinander reden lernen", (Wolfgang Fänderl) Verleih und Bezug über das Inkomm, INKOMM Projektzentrum interkulturelle Kommunikation, Rupprechtstr. 25-27, 80636 München, tel. 089-121643-06,fax 089-121643-07 mail an info@inkomm-awo.muc.kobis.de, Euro 20.- für Einrichtungen (mit Aufführungsrecht) und Euro 12,50 + Porto für Privat.

Leitplanke Forumtheater 3 Szenen zu unserem Zusammenleben in München, Inkomm und Fachhochschule München (Sema Mühlig-Versen)

unfertig und bisher unveröffentlicht blieben die Aufnahmen zum Europäischen Joker-Treffen mit Augusto Boal 1997 zum Legislativen Theater mit der Fachhochschule München Sozialwesen in Pasing, jetzt Hochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften

3. Zeitschriften-Artikel

Alfabetisierung der Sinne in: image 53, Zeitschrift der Kath. Hochschulgemeinde Würzburg 1982

Erfahrungen mit dem Theater der Unterdrückten in Europa in: das baugerüst, musisch kulturelle Bildung 4 / 85, Materialien für die evang. Jugendarbeit in Bayern

Aktionstheater als Schritt in die Öffentlichkeit, Neue Theaterformen in der Jugendarbeit in: jugendnachrichten, Zeitschrift des Bayrischen Jugendrings 1987

Bewußtseinsbildung in der Theaterarbeit in: Befreiung und Menschlichkeit, Texte zu Paulo Freire, Hrsg: Heinz Schulze u.a. AG SPAK 1991

Die Wüste wächst, weh dem, der Wüsten birgt in: Vorbereitungsmaterialien zur AGG- Jahrestagung 1991 Bonn, Verband der kath. Studentengemeinden Deutschlands

Reale Theaterarbeit in sozialen und pädagogischen Berufen in: Professionelle Kompetenz in der befreienden Pädagogik, Zeitschrift für befreiende Pädagogik 2/3 1994

Bericht aus Kroatien, Theatermethoden in der Flüchtlingsarbeit Bericht für Regenbogen Bayern 1994 und in: Medizin und Gewissen, Der Mensch nimmt sich mit, wenn er flieht, Materialien zum internationalen Ärztekongress Nürnberg, München 1997

Theater der Unterdrückten: Brasilianische Theaterarbeit für Deutschland? in: Brasil Aktuell, Zeitschrift von Arche Nova e.V. München 1995

Stimmkonzert. Eine soziale Erfahrung? Interferenzen. in: Korrespondenzen, Zeitschrift für Theaterpädagogik, Reader zur Tagung " Soziales Lernen und Ästhetische Erfahrung" Berlin Februar 1995

Auf dem Weg zu einem Theater der Veränderung? Das Theater der Unterdrückten in europäischen Anwendungen in: Es braucht Mut, glücklich zu sein, Zeitschrift für befreiende Pädagogik 10/’96 (vergriffen) Engpass + Forum-Theater in Deutschland, ein Abriss, …arcor.de/letsch/bilder.htm erschienen in: Korrespondenzen Zeitschrift für Theaterpädagogik, über den Bundesverband Theaterpädagogik oder im schibri-verlag Heft 34/1999: Reflexionen Perspektiven: 20 Jahre Theater der Unterdrückten in Deutschland

Eine Zusammenfassung der Anwendung der Theater-Methoden in der partizipativen Unternehmenskommunikation: Theater-Methoden als Weg zum Dialog als Artikel sind die Erfahrungen in der Zeitschrift der LAG SPUK (Landesarbeitsgemeinschaft Spiel + Kultur Bayern, Kulturelle Jugendbildung, ) zusammengefasst: "Zielgruppe Management" Aug 1999

Szenen verändern: Theater der Unterdrückten heute. Joker aus Rio unterwegs.

Vorgestellt werden alle wichtigen Aspekte des "Theaters der Unterdrückten nach Augusto Boal". Zeitschrift für befreiende Pädagogik Nr. 25/26, Dez. 2000, ca 10,00 Euro und Porto bei www.agspak-buecher.de

teilweise weitergeführt in http://home.arcor.de/letsch/ewnforum.htm

5. bedingt veröffentlichte Materialien

Emanzipatorische Methoden in der politischen Bildung als Arbeitsmaterial im Institut für politische Pädagogik in Brandenburg, Potsdam 1992

Brüche in den Personen erfordern Heilungsprozesse in der politischen Bildung Konzepte für politische Bildung in Brandenburg, im Institut für politische Pädagogik in Brandenburg, Potsdam 1992

Werkstätten in der Bildungsarbeit, Werkstatt als Arbeitsweise in der Moderation in: Aktivierende Methoden für größere Veranstaltungen der politischen Bildung, WDÖFF Bonn & AG SPAK 1993

Lernen von der Dritten Welt, "Von Rio nach Kopenhagen", in: Materialien für die bundesweite Fachtagung "Der Nord-Süd-Konflikt in der Bildungsarbeit" Celle Mai 1995

Jahresbericht ‘94 von Regenbogen Bayern, Stiftungs-Verein für grün-nahe politische Bildung

Das Legislative Theater verbreitet sich … Rundbrief des entwicklungsdienst theater - methoden in der Paulo-Freire-Gesellschaft e.V. 2001

Zukunftswerkstätten in Kosova (2003) Ein interkulturelles Fortbildungskonzept 2004 / 05 in Fragmenten im Netz: https://web.archive.org/web/20160305000650/http://home.arcor.de/Letsch/ewkosova.htm und Bilder: https://web.archive.org/web/20160406225644/http://home.arcor.de/letsch/bilder.htm

zur Übersicht mit den ganzen aktuellen Verknüpfungen: https://web.archive.org/web/20150215070427/http://home.arcor.de/letsch/verffent.htm

aktuelle Projekte sind in erster Linie Fortbildungen, Aufführungen und Regie-Arbeiten, darunter auch Aufführungen mit Gruppen zur Anwendung des Legislativen Theaters,

Seniorentheater war im Blog seniorentheater.blog.de und Fragmente zur Gestaltarbeit und zur Geschichte der humanistischen Psychotherapie im wiki http://fritz-letsch.wikispaces.com

Ein Schwerpunkt der 2000er- Jahre war http://www.visions-theater.com/ zur Entwicklung neuer Darstellungsformen und zur Kommunikation in Unternehmen, zur Reflexion der Unternehmensentwicklung. Davon ist leider nur ein geringer Teil direkt zu veröffentlichen, war http://home.arcor.de/letsch/visionstheater.htm und http://visionstheater.blog.de

mündliche Auskünfte dazu gibt’s gerne bei einer Veranstaltung oder einer Weinprobe in der HozoFactory

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